Problemzonen aufdecken und aussprechen, Missverständnisse klären, Lösungen finden.

Die Missverständnisse zwischen Medizin und Ökonomie liegen auf drei Ebenen:

Mikroebene (Arbeit am Krankenbett)
Beide, Medizin und Ökonomie, arbeiten bei ihren tagtäglichen Entscheidungen nach dem Prinzip der Zweckmässigkeit. Die medizinische Zweckmässigkeit unterscheidet sich von der ökonomischen aber grundlegend: Während die Ökonomie einen monetären Aufwand mit einem monetären Gewinn abwägt, der a priori möglichst zu garantieren sein soll, wägt die Medizin gesundheitlichen Aufwand (Risiken, Beeinträchtigungen) mit gesundheitlichem Gewinn ab, was sie nur a posteriori feststellen und nicht garantieren kann. Zwingt die Ökonomie der Medizin ihren Zweckmässigkeitsbegriff auf, so reizt sie diese zu medizinisch unzweckmässigem Handeln an, was nicht nur menschliches Leid verursacht, sondern auch Kosten treibt. Dies ist exemplarisch bei den Wirtschaftlichkeitsverfahren zu beobachten, die den Arzt dazu anreizen, Gesunde medizinisch unzweckmässig zu behandeln und medizinisch zweckmässige Behandlungen an Kranken zu unterlassen.

Mesoebene (Spitäler, Heime)
Das Gesundheitswesen ist ein Gemeingut, welches es volkswirtschaftlich zu erhalten gilt. Die ökonomischen Anreize werden auf der Mesoebene derzeit aber so gesetzt, dass die einzelnen Akteure zu betriebswirtschaftlichem Handeln angereizt werden. Dies hat zur Folge, dass jeder egoistisch für sein Überleben kämpft. Ob dabei das Gemeingut Gesundheitswesen in Mitleidenschaft gezogen wird, interessiert die solcherart fehlgeleiteten Akteure nicht. Dies ist exemplarisch bei den Fallpauschalen zu beobachten, welche die Spitäler dazu anreizen, ihr Patientengut im Sinne eines Portfolios zusammenzustellen und zu bearbeiten, also nicht dort zu behandeln, wo es medizinisch notwendig, sondern dort, wo es betriebswirtschaftlich sinnvoll ist.

Makroebene (Politik und Behörden)
Die Medizin als Naturwissenschaft gewinnt ihre Erkenntnisse, indem sie die aus der Hochrechnung von Einzelfällen gewonnene Evidenz in Behandlungsrichtlinien verdichtet. Die Ökonomie als Geisteswissenschaft arbeitet mit Annahmen und Modellen, die es als alsdann in der Realität, also auf der Ebene des Einzelfalls, zu validieren gälte. Letzteres geschieht kaum. Vielmehr spiegelt die Ökonomie ihre Sicht der Realität der Medizin über und verstört sie so. Dies ist exemplarisch zu beobachten bei Health Technology Assessments HTA, die teilweise zu Empfehlungen gelangen, die jeder medizinischen Evidenz, ja bereits gesundem Menschenverstand zuwiderlaufen, was seinen Grund im mangelhaften Einbezug der Medizin bei der Erstellung dieser Berichte hat.