Mittelwert- und Nützlichkeitsdiktat gefährden unser Gesundheitswesen                            e

Das Gesundheitswesen ist ein zentrales Gut unserer Gemeinschaft. Es gehört uns allen solidarisch. Niemand profitiert davon im eigentlichen Sinn. Man hofft, dass man es nicht benötigen wird, und wenn man es benötigt, so ist man froh, dass es funktioniert, nicht mehr und nicht weniger. Dieser Grundgedanke geht heute zusehends verloren. Im Zentrum dieses Verlustes steht ein Paradigmenwechsel in der Medizin: der Wechsel vom Zweckmässigkeits- zum Nützlichkeitsdiktat. Damit bringt sich die Ökonomie in der Medizin gerade dort ein, wo sie nur Schaden anrichten kann: im Indikations- und Behandlungsentscheid.

Der Ansatz, medizinische Leistungen nach dem Kriterium des ökonomischen Nutzens zu bewerten, entspricht der Medizin nicht. Sie urteilt nach der medizinischen Zweckmässigkeit. Denn ob eine Intervention heilt oder lindert, ist nur abschätzbar, nicht vorhersehbar. Die Frage ist deshalb die, ob die Intervention dem Zweck von Heilung und Linderung angemessen, ob sie zweckmässig ist. Dies ist eine andere Zweckmässigkeit als die der Ökonomie, denn hier geht es um ein Abwägen von medizinischen Vorteilen (Nutzen) mit medizinischen Nachteilen ("Kosten"), mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen einer Behandlung also, nicht mit monetären Folgen.

Die Medizin wird durch die Unterwanderung ihres Zweckmässigkeitsbegriffs mit dem monetären, auf ökonomischen Nutzen ausgelegten Zweckmässigkeitsbegriff der Ökonomie in eine komplett falsche Richtung gelenkt: Unser Gesundheitswesen wird bei immer mehr Ökonomie immer ineffizienter, bei immer mehr Ethik immer amoralischer und bei immer mehr Forschung immer unwissenschaftlicher. Den Gründen dafür gehen drei Untersuchungen nach, welche der Verein Ethik und Medizin Schweiz VEMS für die Fairfond Stiftung für Fairness im Gesundheitswesen erstellt hat. Diese Trilogie liefert einen guten Überglich über die Herausforderungen, die es in unserem Gesundheitswesen zu bewältigen gilt: